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Zu wenig, zu spät!

Vortrag über die juristische Verfolgung von NS-Verbrechen in Deutschland mit Opferanwalt und Nebenkläger Thomas Walther
Wie hat die deutsche Justiz die millionenfachen Verbrechen der Nazizeit verfolgt und geahndet? Nach Ansicht vieler Beobachter geschah dies insgesamt nur sehr unzureichend und zu spät. Eine Ausnahme stellte im Jahr 2015 der Prozess gegen den früheren SS-Mann Oskar Gröning in Lüneburg dar. Wegen Beihilfe zum Mord in Hunderttausenden Fällen verurteilte das Gericht den mittlerweile 94-Jährigen zu einer Haftstrafe von vier Jahren. Einer der juristischen Vertreter von 55 der 71 Nebenkläger war der Rechtsanwalt Thomas Walther.

Im Rahmen des Gedenkjahrs 2015 der Stadt Darmstadt referierte Thomas Walther – der Anwalt der NS-Opfer – über „Versäumnisse und letzte Chancen“ bei der juristische Verfolgung von NS-Verbrechen. Der Vortragsabend fand am 19. November 2015 im "Offenen Haus“ in Darmstadt statt.

Thomas Walther gilt als eine der „treibenden Kräfte“ hinter den laufenden Verfahren gegen frühere SS-Männer. Nach seinem Dienst als Staatsanwalt und Richter in Bayern arbeitete er in der Zentralstelle zur Verfolgung von NS-Straftaten in Ludwigsburg. Seit seiner Pensionierung ist er für überlebende NS-Opfer als Rechtsanwalt tätig, so auch im Verfahren gegen Gröning.

In seinem Vortrag beleuchtete Walther die Praxis der Verfolgung von NS-Verbrechen, speziell in den sogenannten „Lagerfällen“ und wenn es um Massenverbrechen geht. Walther behandelte sowohl die Versäumnisse der deutschen Justiz als auch die Chancen und Schwierigkeiten später Prozesse, wie in den Fällen der Kriegsverbrecher John Demjanjuk, Oskar Gröning und anderer neu angestrengter Verfahren.

Die Veranstaltung wurde gemeinsam verantwortet von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, der Evangelischen Erwachsenenbildung und dem Verein „Gegen Vergessen - Für Demokratie, Sektion Südhessen“.

Berichterstattung im Darmstädter Echo, 21. November 2015, über die Veranstaltung. (518,03 KB)

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